Seife brauchen wir, um fettgebundenen Schmutz von unserer Haut abzuwaschen. Wie wir alle wissen, sind Fett und Wasser nicht mischbar. Wir brauchen einen Mittler – und das ist die Seife. Ein Seifenmolekül hat ein wasserliebendes Köpfchen und ein fettliebendes Schwänzchen. Das Schwänzchen lagert sich an das Fettpartikel an und löst es in das Wasser. Seifen sind die Salze von Fettsäuren, sie werden durch Spaltung der Fette mit Laugen gewonnen. Das Glycerin, das bei der Reaktion als Nebenprodukt entsteht, wird bei der Kaltrührtechnik, die ich und die meisten meiner Kollegen anwenden, in der Seifenmasse belassen. Bei industrieller Herstellung wird es meist abgetrennt und in der Kosmetikproduktion als Grundstoff verwendet, aber auch in anderen Bereichen eingesetzt.

Durch die Zusammensetzung der Fette & Öle, die für das Seifemachen vonnöten sind, hat der Sieder (wollen wir den Ausdruck verwenden, obwohl es sich nur um ca. 35° – 38° handelt, bei denen wir die Komponenten vermischen) die Möglichkeit, seine Seife stärker schäumend oder milder zu komponieren. Die Fette haben unterschiedliche Verseifungszahlen. Je mehr eine Seife schäumt, umso wirkungsvoller wird auch der fettgebundene Schmutz entfernt. Die Seife unterscheidet aber nicht, zwischen gutem Körperfett und schmutzigem Körperfett. Wir kleinen Sieder sind bemüht, einen guten Mittelweg zu gehen, eine Seife, die reinigt, aber doch nicht gänzlich entfettet, zu kreieren. Die zugesetzten Beigaben, wie ätherische Öle oder Blüten z.B., tragen zum Wohlgefühl bei. Das tut der Seele gut und somit auch der Gesundheit. Seife ist aber ein sogenanntes „Rinse off“-Produkt. Der Kontakt mit der Haut ist viel zu kurz, als dass sich aus den Zusätzen eine medizinische Wirksamkeit ableiten ließe.