Ersternovembermorgen

Die Nacht war kurz, aber in Ordnung. Die Zeitumstellung tut das ihre. Bis auf das ewige Geklingel in meinem Kopf, das zeitweilige Gebläse meines Schreibgerätes und das Zeitungsumblättern des lieben Mannes im Zimmer nebenan, höre ich nichts. Still ist es an diesem Erstennovembermorgen.

 

Ich bin im sozialistischen Kapfenberg groß geworden. Meine Eltern und ich waren eingetragene, aber nicht wirklich ausübende Katholiken. Bis auf die großen Feiertage, ging das Kirchenjahr unbeachtet an uns vorüber. Wir waren Katholiken, aber auch nicht. Wie viele damals. Da gab es eine Anziehung und eine Abneigung. Die Don Camillo & Peppone – Filme jener Zeit haben wir gerne geschaut und sie waren auch ganz gut passend!

Inzwischen bin ich viele Jahre der Ehrlichkeit halber nicht mehr als Katholik notiert. Ich bin auf dem Papier „ohne Bekenntnis“ – Spiritualität ist mir trotzdem nicht fremd. Sie kommt mir aus uralter Zeit und ist warm und sie umweht diesen stillen Feiertag.


Wenn Nebelwolken wie Wattebäuschchen

auf den Wiesen liegen,

wenn Spinnwebfäden wie Silberseide

mit den Winden fliegen,

wenn die Blätter rot und golden leuchten,

und Salamander sich tummeln

auf der Erde, der feuchten,

dann ist es Herbst, mein Kind.


Ich lese gerade „Von der Seelenruhe/Vom glücklichen Leben“, von Seneca. Dem römischen Philosophen und Politiker (4 - 65 n. Chr.), der selbst vermögend war, aber ein maßvolles Leben predigte. Auf einigen Seiten nimmt er verteidigend Stellung zu seinem eigenen Reichtum, da er – so scheint es – auf diesen Widerspruch angesprochen wird oder sich ihm selbst stellt. Er meint, man dürfe sich dem Reichtum nicht unterwerfen, sein Seelengleichgewicht nicht von ihm abhängig machen, da man ansonsten der Sklave und nicht der Herr dessen ist; sich nicht erhoben im Überfluss und nicht erniedrigt im Mangel sehen. Trotzdem schließt er: „Wie kann aber ein Zweifel darüber bestehen, daß dem Weisen der Reichtum mehr Gelegenheit bietet, seinen Geist vielseitig zu entfalten, als die Armut?“.

 

Daraus komme ich zu der Frage: Kann man nur dann philosophieren, wenn man es sich leisten kann? Braucht das Philosophieren gewisse Umstände?

 

„Philosophie“ ist laut Duden das forschende Fragen und Streben nach Erkenntnis des Zusammenhanges der Dinge in der Welt. Aus dem Zusammenhang kann ich mich selbst aber nicht herausnehmen, meine ich. Man kann nicht abstrakt philosophieren, bzw. ist die Philosophie ohne eigenen Bezug ein Kunstprodukt. Also ist sie für mich am ehrlichsten, wenn ich aus einer Verbindung von meinem Wissen und meiner Seelenwelt herausphilosophiere. Wie ist es aber um meine Seelenwelt bestellt, wenn ich arm bin? Wenn die Angst ums Überleben meine Seele besetzt, dann bin ich wohl nicht mehr in der Lage, mir große Gedanken über die Zusammenhänge in der Welt zu machen. Dann bin ich beschäftigt mit dem Fortbestand von den meinen und mir. Das ist wohl ein Urgesetz – zuerst das Fressen und dann die Moral, um es etwas derb auszudrücken. Somit meine ich, wie Seneca, dass man leichter nach Weisheit streben kann, wenn man nicht unter Existenzängsten leiden muss.

 

Ich finde aber, dass das Philosophieren ein unabdingbarer Bestandteil des Lebens sein muss. Wir brauchen sie, um uns sinngebend aus dem alleinigen Vegetieren zu heben, und wenn wir uns erlauben wollen, niveauvoll zusammenzuleben. Deswegen braucht es meinen Gedanken nach Bedingungen, die es allen Menschen ermöglichen, ihren Geist vielseitig zu entfalten. So ist es an denen, die Geld und somit Macht haben, etwas zum Allgemeinwohl hin zu verändern. Was aber wiederum den Umkehrschluss, dass sich mit materiellem Wohlstand auch das Philosophieren von selbst einfindet, auf der Stelle aushebelt, denn sonst würde das Menschenwerk auf unserer lieben Erde anders aussehen.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Er ließ mich innehalten - der süßer Ton,

er kam aus einem Wiesengrammophon.


Wie die Jahre, so vergehen auch die Monate, Tage, Stunden schneller. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, empfinde ich nicht Flüchtigkeit. Ich habe gar nicht das Gefühl, dass mir die Zeit zwischen den Fingern zerrinnt. Es wird alles konzentrierter, intensiver. Eine Reduktion findet statt. Nach außen, wie nach innen. Ich habe das Gefühl einzudicken, ein Konzentrat, eine Essenz meiner selbst zu werden. Meine Wunschvorstellung wäre freilich, von der prallen, überfließenden Weintraube zur süßen, gehaltvollen Rosine zu werden. Oder von der Waldhimbeere zur Marmelade – beim "Einkochvorgang" einen unvergleichlich himmlischen Duft verströmend. Das hätte ich gerne!

 

Das ist aber eine Frage des Ausgangsmaterials. Wie bin ich jetzt? Was kann denn aus mir werden? Ich hoffe, keine allzu hant’ge Kost! Auf der anderen Seite gibt es viele Kräuter, die bitter schmecken und wiederum eine sehr heilsame Wirkung haben. Außerdem ist das Leben ja auch nicht ganz, wenn es immer nur süß ist.

 

Jetzt habe ich eine neue Wunschvorstellung: Um den Weinstock steht Tausendguldenkraut, dieses vergeht jeden Herbst und düngt somit die Reben. Ich möchte eine Rosine aus genau diesen Weintrauben werden.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt ist es heiß - niemand denkt mehr an Winter und Frühling. Sie aber steht neben meinem Frühstückstischchen und erinnert mich allmorgendlich daran. Die Schneerose. Die Blüte, zu Blühbeginn weiß, wird allmählich grün und hält dann auch sehr lange. Der Wechsel der Jahreszeiten in der Blume malerisch verankert.


Abendhimmel ..... Morgenhimmel

Seelensinnbild.

Die Nacht dazwischen hat die Wolken vertrieben.


Lindenduft ... Zauberluft


Füreinander etwas Besonderes bleiben.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich glaube unbedingt an das Liebesvermögen des Menschen, unabhängig davon, ob er sich selbst jemals darin baden durfte, oder nicht.

Ich glaube, dass wir Liebe in unserem "Startpaket" haben. Es kommt darauf an, ob sie gefesselt, gestaut in einem Winkerl hockt, oder, ob sie frei fließen, strömen kann.

Strömen – Strom – Energie - Wärme.


... auffitauchen ...


 

 

 

Der Atem,

ein Wind, der durch den Körper weht.

Oftmals vergesse ich darauf,

dann ist er nur ein laues Lüftchen

und bewegt kaum die Oberfläche.

Dann denke ich wieder daran und nehme einen tiefen Atemzug und spür' bis in die letzte Zelle, wie wohl er mir tut, ja sogar hilft, Schmerzen zu lindern.

Wenn ich mir den Körper als Haus vorstelle und dabei denke, dass es da Räume gibt, in die durch meine flache Atmung, keine frische Luft kommt, schaudert es mich! Auch wenn das Bild so nicht stimmt, hilft es mir doch zu verstehen, wie wichtig es ist, auf den Ein- und Ausatem, die gute Belüftung, zu achten.

Daher: Fenster auf und tief durchatmen .........................


Es gibt Zeiten, in denen man nichts zu sagen weiß.

Ich finde es gut, diese zu akzeptieren.

Besser Stille, als hohle Füllung.


 

 

 

 

 

Mein Leben ein Buch …

in dem ich nicht immer der Autor war und bin.

Zu Beginn konnte ich es nicht sein.

Und zum Schluss, hoffe ich es zu sein.

Dazwischen will ich es sein.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

F R Ü H L I N G S P U T Z ...

Es ist wieder an der Zeit,

vor der eigenen

Tür zu kehren!