... das Staunen bewahren ...


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... wenigstens

ab und zu

aus der eigenen

Beschränktheit treten ...


Der Baum vor unserem Haus

Jetzt geht es ihm wieder gut – vor einem Jahr war es nicht so. Die mächtige Ulme war von Beginn an für mich, der vom Land in die Stadt Gezogenen, Herzensnahrung. Im ersten Jahr konnte ich das Aufwachsen der kleinen Krähen im gut versteckten Horst zumindest teilweise mitverfolgen. Dann kam im vorigen Frühling das vergebliche Warten auf den immer grüner werdenden Baum. Nur wenige Blätter zeigten sich und die waren eher silbrig grau. Der Horst war gut sichtbar – durch den schonungslosen Einblick aber unbewohnt. Keine Krähen, keine Kinder. Und dann kam das Stadtgartenamt mit einem Wagen mit einer Hebebühne, mehreren Männern und Motorsägen. So, dachte ich, das ist das Ende. Ich sollte mich aber gewaltig täuschen! Denn es war eine einzigartige Rettungsaktion. Anscheinend hatte der Baum nicht mehr genügend Kraft, sich vollends zu versorgen. Die guten Männer begannen, den Baum um gut die Hälfte zu verkleinern. Den Ast mit dem Horst beließen sie. Kurze Zeit später hatte sich die Ulme gefangen und brachte wieder üppiges Grün hervor. Und auch jetzt – im darauffolgenden Frühling – geht es ihr gut. Der Horst ist noch nicht bewohnt – aber es gibt schon einige Krähen, die sich darum raufen!


Geborgenheit


Entspannung versus Einstimmung

Nimmt man eine Gitarre und entspannt deren Saiten, so wäre ein Spiel darauf unmöglich. Zum Klingen könnte sie nimmer gebracht werden. Stimmt man sie umgekehrt immer höher und höher, so zerreißen sie und mit der Zeit sogar der Klangkörper. Und ich glaube, dass es auch bei uns so ist. Ein gewisses Maß an Spannung ist nötig. So will ich mir in Zukunft denken, ich bin ein Instrument. Ich will mich selbst stimmen. Will mich nicht be-stimmen lassen. Will auf meine innere Melodie hören, will schauen, wo ich eine Saite anziehe oder lockere. Leitet sich das Wort „die Stimme“ überhaupt von „Stimmung“ ab – Stimmung in Form von Gemütsverfassung oder im Sinne von Instrumentenstimmung? Oh, da ließe sich viel darüber nachsinnen!


ROMY KURIOS hat Geburtstag - den ersten.

Genau vor einem Jahr - dem 1. April 2014 - habe ich mein kleines Unternehmen gestartet.

Jahrestage wühlen auch immer auf. Und das ist auch gut so. Wenn sich der Sand gesetzt hat, ist die Sicht wieder klarer. Ich habe viel erlebt, in diesem letzten Jahr. Schönes und Widriges. Wenn ich einen Strich unter die Rechnung machen soll, so ist das schwierig – denn eindeutig kann ich das Ergebnis nicht beschreiben. Auf der einen Seite ist da viel Freude durch die Arbeit, die ich so gerne mache, die mir Herzensnahrung ist, und durch den Zuspruch, den ich dafür erhalte. Diese Nervennahrung schlägt sich in Zahlen aber nicht positiv zu Buche. Wenn ich es realistisch betrachte, ist meine Unternehmung nicht leistbar. Zu betrachten ist auch noch der Aspekt, dass in unserer Gesellschaft „Erfolg“ in direktem Zusammenhang mit „schwarzen Zahlen“ steht. So abgeklärt bin ich nicht, als dass dieses nicht auch auf mich wirkte. Diese, meine Zeilen, sollen keine Jammerei sein! Ich bin ein eigenverantwortlicher Mensch. Und ich bin dankbar für die Menschen, die zu mir stehen und mir freundlich zusprechen! Aber ich denke sehr wohl, dass es an der Zeit ist – hier und überhaupt – ehrlich zu sein, nicht so zu tun als ob. Ich habe dieses Getue „Ich bin der Schönste – ich bin der Größte“ satt. Die Kulissen gehören weggeräumt! Von Interesse ist immer nur das Dahinter. Wir alle müssen in gewisser Weise rudern und strampeln, um nicht unterzugehen. Und wenn wir die Erde als Boot betrachten, so sitzen wir alle darin. Die einen mehr in der Mitte – die anderen am Rand.

Um den Aufsatz positiv zu schließen ... Bald Regen und bald Sonnenschein! Heute ist der 1. April und alles ist möglich!


Nicht selten habe ich den Eindruck, für ein Gespräch nicht gut geeignet zu sein. Denn ich mag auf manche Fragen nicht schnell antworten, ich möchte darüber nachdenken. Brächte mein Gegenüber Zeit und Ausdauer, Geduld mit, so stünde ich mir mit meinem Gefühl des Getriebenseins in einer dahinrasenden Welt selbst im Wege. Die Stille zwischen den Gesprächen muss erst erlernt und ausgehalten werden.



Oft mag man überheblich meinen, schon sehr weit fortgeschritten zu sein, und dann holen einen wieder Uralt-Themen ein und das Gedankenkarussell beginnt, sich von neuem zu drehen, nach unten zu schrauben und die Landung am Boden ist gewiss. Schön, wenn dann einer neben einem ist und die Hand herüberstreckt, einem allein durch das „Da sein“ beim Wiederaufstehen hilft. Und doch: die Arbeit am inneren Gerüstbau kann einem niemand abnehmen. Das ist so herausfordernd, vielleicht auch beängstigend, wie befreiend und – als Zugabe - beglückend.


Aus einer Stimmung heraus (ich weiß zwar wie es dazu kam, aber das wäre jetzt zu banal), habe ich mir via Youtube die Oper „La Traviata“ von Guiseppe Verdi nach dem Roman „Die Kameliendame“ von Alexandre Dumas, dem Jüngeren, angesehen. Und zwar die Inszenierung für die Salzburger Festspiele 2005. Das beeindruckend klare und einfache Bühnenbild lässt die Konzentration auf das Geschehen völlig zu. Ich war ergriffen – es war schön und traurig. Ich habe geweint und geweint und geweint ... meine innere Wetterlage hat wohl auch dazu beigetragen.

 

Und letzte Woche gab es in einem nahen Geschäft Kamelien im Angebot. Da war ein schönes Exemplar auch schon im Einkaufswagen. Seither steht es im Wohnzimmer – hat viele Blüten und eine nach der anderen tut sich prachtvoll auf. Aber so rasch wie sie kommen, vergehen sie auch. Heute ein Strahlen, morgen ein Welken.

 

So hat Alexandre Dumas mit der Wahl dieser Blume ein perfektes Ebenbild zu seiner Protagonistin gefunden. Die Kamelienblüte, sie ist die einzige Blume, die man ihr schenken darf,  steht für die rasche Vergänglichkeit ihrer Liebesbeziehungen, wie auch für ihre eigene, da sie, endlich durch die Liebe im Herzen selbst erblüht, stirbt.


Ich wurde als Frau geboren, habe aber das Empfinden, mich mit den Jahren, einem Zwitterwesen anzunähern. Das fühlt sich für mich nicht als bedenkliche Entwicklung an. Viel mehr als eine befreiende. Mein Brückenschlag zum anderen Ufer ermöglicht mir ein Erforschen und Entdecken der anderen Spezies.

Die für mich wichtigste Erkenntnis ist, dass er – der Mann – definitiv einen anderen Zugang zum Leben hat. Das stelle ich mir wortwörtlich vor. Ein rundes Haus mit einem Eingang auf der rechten und einem Eingang auf der linken Seite. Dies wahrhaft anzunehmen, versöhnt mich. Unsere Sehnsüchte sind letztendlich die gleichen. Wir wollen uns innendrinnen begegnen. Wir wollen lieben und geliebt werden.

Meine Wunschvorstellung vom ewigen Tanz der Geschlechter: Die Diversität nicht als nervenaufreibenden Kampf sehen, sondern als Motor, bestehend aus vielen Einzelteilen, die erst in ihrem Zusammenspiel ihrer Bestimmung gerecht werden können und so auch wieder eins werden. Zwei Räder ohne Keilriemen verbunden, bedeuten Leerlauf.


Der Bleistift und sein Schatten.

Bei jedem Mal U-Bahn-Fahren kann ich lesende Mitmenschen sehen. Oft sind sie schon beim Warten auf die Bahn in ein Buch vertieft – viele in die papierene Version, einige in die elektronische. Ich bin versucht zu fragen: „Was lesen Sie? Und wie finden Sie es?“ Tue es aber nicht. Habe Angst, in Privatsphäre einzudringen, den Lesefluss zu unterbrechen. Lesen kann sehr intim sein. Wenn mir ein Buch besonders gefällt, wenn ein Ineinanderfließen stattfinden kann, drücke ich es zum „Abschied“ noch einmal – küsse es und bedanke mich. Das passiert – aber nicht sehr oft.

Häufiger muss ich mich über Geschriebenes ärgern – weniger in Büchern, da findet die Auswahl ja schon vorher statt. Und sollte mir eines nicht gefallen – so lege ich es ohne Bedenken zur Seite. Aber es gibt Geschriebenes, Gezeichnetes, Gesagtes, an dem man einfach nicht vorbei kommt – außer man schottet sich völlig ab. „Meinungsfreiheit“ – das Wort der letzten Tage! Und ich kann es nicht mehr hören, da es meines Erachtens missbraucht wird. Es gibt da diesen alten Spruch: „Meine Freiheit hört auf, wo ich die Deine einschränke“. Man mag darüber diskutieren, aber im Großen und Ganzen stimmt er für mich. Der Bleistift kann sehr wohl auch eine spitze, gemeine, vernichtende Waffe sein – genauso wie das Wort. Wir alle mitsamt wissen, wie verletzend Worte sein können. Wie sie töten, ohne dass Blut fließt, wie sie ins Herz fahren und es frieren lassen. Meinungsfreiheit – ein absolutes JA. Aber mit Respekt und Verantwortung. Und mit dem Wissen, dass alles was man in diese Welt setzt, Politik ist, die wiederum ihre Folgen hat.


Ich bin für eine Streichung des Wortes „Hobby“ aus unserem Sprachgebrauch. Mit ihm gehen für mich Abwertung und Erniedrigung einher. „Überflüssig“ hallt nach und dass man sich dafür fast schämen muss, weil sich der Nutzen oftmals, zumindest nicht offensichtlich, zu Buche schlägt.

Überflüssig – Überfluss – Überfließen, nach Erich Fromm. Vom Negativen zum Positiven. Etwas kommt zum Ausdruck – es fließt über. Und das geschieht, wenn man inbrünstig, mit innerer Glut also, werkelt oder denkt, oder tätig ist. „Leidenschaft“ und „Passion“ wären angemessener.

 

Welch ein Unterschied:

„Der Garten ist mein Hobby“ – „Der Garten ist meine Passion“.


Letztens wartete ich im Eingangsbereich eines Supermarkts mit dem bereits am Markt gefüllten Nachziehwagerl auf meinen Mann, der nur schnell noch ein paar Sachen besorgen wollte. Kurz vor Weihnachten war es. Da kamen, von der in der Nähe liegenden HTL, junge Menschen herein, um sich eine Jause zu kaufen. Meine Schülerzeit ist mir eingefallen und es nahm der Wunsch, noch einmal solch einen Schultag zu erleben, Form an. Mit dem Bewusstsein von heute möchte ich noch einmal zu Mittag nach Hause kommen und mit meinen Eltern essen. Würde ihnen gerne mit der Dankbarkeit und Liebe begegnen, die ich heute empfinde. Meine Mutter war eine sehr gute Köchin. Der Geschmack ihrer Gemüsesuppe liegt mir noch heute auf der Zunge. Sie war eine „Nur-Hausfrau“. Wie sehr ich diesen dummen Ausdruck inzwischen verabscheue. Mein Vater bekam seinen Arbeiterlohn damals noch bar monatlich im Sackerl ausbezahlt. Ich erinnere mich, wie er stolz nach dem Essen das Geld herausholte. Mama bekam einen stattlichen Teil und ich ein Taschengeld. Im Anschluss haben wir meist noch Jolly gespielt, oder irgendein Fragespiel. Damals war alles so selbstverständlich, so, als ob es nie enden würde.

Zu Besuch bei Tante Frieda und Onkel Hans in Oberösterreich. Die Köchin hier, ist also Tante Frieda. Zwischen Küche und Wohnzimmer gab es eine Falttür - die hat mich immer ganz besonders fasziniert.