Im Laufe der letzten Jahre habe ich schon an vielen Kunsthandwerksmärkten teilgenommen. Es gibt äußerliche Unterschiedlichkeiten, wie zum Beispiel, die Plätze an denen sie stattfinden, ob sie drinnen oder draußen abgehalten werden, bei Zweiterem, ob das Wetter freundlich oder unwirtlich ist, ob die Standgebühr hoch oder niedrig ist, wie sie zeitlich im Monat positioniert sind.

Aber, was den inneren Kern betrifft, ähneln sie sich alle.

Mich erinnert es an ein Mehrparteienhaus. Die Standler rund um mich, sind mir die nächsten. Mit den übrigen habe ich selten bis gar nicht Kontakt, da es ja nicht förderlich ist, den eigenen Stand zu verlassen.

Zunächst richten wir unsere „Wohnungen“ ein. Das geht bis auf eventuell erforderliche nachbarschaftliche Aufstellhilfe wortlos und mit Bedacht vor sich. Jeder hat sein Konzept schon irgendwie im Kopf und doch muss man sich auch immer wieder den örtlichen Gegebenheiten anpassen. Dann beginnt der Markt und das Hoffen, dass er gut gelingen möge. Und das heißt im Klartext, dass wir gut verdienen. Daran lässt sich bei aller Seelengelassenheit nicht rütteln. Die meisten Standler, leben so wie ich, von dem, was beim Verkauf des Handwerks erwirtschaftet wird. Läuft alles gut, gibt es also Menschen, die unserer Hände Arbeit sehen und eventuell auch kaufen, so sind wir gelassen und fröhlich. Ein jeder gönnt dem Nachbarn seinen Erfolg. Jedoch ist das Ganze ein zartes Gebilde. Bleiben die Marktbesucher aus, oder gehen achtlos an unserem Stand vorbei, oder machen abwertende Äußerungen, so kann unser Selbstbewusstsein sehr rasch sinken. Wir zweifeln an uns. Geht es den Nachbar auch so, finden wir Trost beieinand.  Aber, ich will aufrichtig sein, geht es einem davon besser, beginnen leise Misstöne zu klingen. „Warum der – und nicht ich?“ schreit das Teufelchen, auf der einen Schulter sitzend, in mein Ohr. Das Engelchen, über der anderen schwebend, flötet: „Aber schau, sei doch lieb!“. Es macht gar keinen Sinn, das Teufelchen zu ignorieren. Je mehr ich es stummschalten will, umso lauter schreit es. Und, wenn ich es recht bedenke – ist  es nicht ein ganz ursprünglicher Teil in mir? Der, der genauso Sorge trägt, dass es mir gut geht?  Ich habe Goethes Faust nicht gelesen, aber in Erinnerung geblieben ist mir die Rezitation meines Vaters ... Faust: "Nun gut, wer bist du denn?"  Mephistopheles: "Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft."

Man könnte jetzt das Engelchen das Umgekehrte sagen lassen.

Naja, was weiß ich schon? Mit Sicherheit inzwischen, dass ich ein Mensch unter Menschen bin – mit allen Facetten.


Heute war wieder Waschtag. Um 6 Uhr morgens kommt die erste Partie in die Gemeinschaftswaschmaschine im Keller der Nebenstiege. Bis 10 Uhr müssen wir unsere drei Wäschekörbe fertig haben, denn dann kommt die Nachbarin dran. Die neue Maschine zeigt an, wieviele Minuten das Programm braucht. Ich stelle meinen Wecker danach, um ja nicht zu spät zu kommen, denn die Zeit ist knapp. Und immer wieder passiert es, dass die Maschine noch nicht fertig ist – sie schleudert noch, manchmal einige Minuten. Und so setze ich mich auf das Holzbankerl und schaue zwider auf meine Füße, dann in die Trommel, wie in einen Fernseher. Da tanzt ganz plötzlich ein Schaumgespenstchen am Lukenglas. Und auf einmal verstehe ich: die Maschine macht das absichtlich! Sie bestellt mich schon früher zu sich. Sie will beachtet werden, will nicht nur befüllt und wieder ausgeräumt werden. Sie möchte, dass ich sehe, wie sie arbeitet, sich müht. Zu meiner Unterhaltung lässt sie  sogar ein Schaumgespenstchen turnen. Mein Grant ist verflogen – ich mag sie, unsere Waschmaschine!


Meine Augen als Sinnbild.

 

Ich stelle sie mir als Fenster vor. Das Haus ist mein Körper samt Geist. Wenn drinnen alles aufgeräumt ist, habe ich meine Fenster weit offen. Es ereignet sich ein Austausch zwischen draußen und meiner Seele, die geborgen am wärmenden Kamin sitzt.

Ab und zu kann es – aus welchen Gründen auch immer – passieren, dass das Feuer herunterbrennt. Es geht nicht aus, aber es lodert auch nicht. Es wird kühl. Da schließe ich das Fenster und ziehe die Vorhänge zu. Jetzt geht es daran, wieder nachzuheizen – das Licht der Flammen lässt mich Unordnung erkennen. Ich räume auf und …

 

Öffnung und Rückzug, Frühling und Herbst, Tag und Nacht, Leben und Tod. Ein immerwährender Rhythmus. Es ist klug, um ihn zu wissen und sich ihm anzuvertrauen.


Erfahrung teilen …

Einmal in der Woche setze ich mich ins Schaffel. Meine neuen Lieblingsbeigaben: ein kräftiger Schuss Olivenöl und drei Tropfen reines ätherisches Rosenöl. Die Haut ist nach dem Bad wunderbar gecremt und meinem Haar, das ohnehin zur Sprödigkeit neigt, tut das Ölbad vor der Wäsche auch gut.


Wenn es kalt ist ...

Fettpölsterchen für den Körper &

Herzpölsterchen für die Seele.


Tinnitus - das Engelsgeläut in meinem Kopf.


 

 

 

 

 

 

 

Vom Sonntagmorgen

Freude borgen,

sie am Abend - ohne Bedenken -

mit Zinseszins weiterverschenken.


Wahrheit für mich ...

Ich stelle sie mir als Etwas in der Mitte vor - vielleicht wie ein Wäldchen. Wir Menschen im Kreis außen rundherum, hineinschauend. Jeder sieht ein Stück Wald vor sich. Und kein Stück gleicht dem anderen. Bleibt aber doch ein Wald.

 


Süße ist eine Würze wie Salz, das lebenswichtig für uns ist. Ob die Süße für unser Überleben nötig ist, weiß ich nicht, obwohl - auch Muttermilch schmeckt leicht süß. Auf jeden Fall brauchen wir sie für unsere Seele. Sie gibt Wärme und Geborgenheit. Mit der Liebe bringen wir sie in Verbindung. Vielleicht auch mit Frieden. Sie erinnert an paradiesische Zustände. Sie hat wohl kaum etwas mit Geschmack oder Riechen zu tun. Sie ist ein Gefühl. Eines, das sich auf viele Arten erleben oder vermitteln lässt.


"Mut zur Unvollkommenheit" wollte ich schreiben. Die Recherche im Internet ergab tausende Treffer. Wieder einmal bestätigt sich: Alles war schon da, ist schon erdacht worden. Trotzdem sind diese drei Worte neu für mich. Ich habe sie für mich gefunden - erfunden. Erfindung. Etwas finden. Der Findevorgang nennt sich Kreativität. Und das ist Nahrung, die selbstverständlich sein sollte. Menschenrecht.

Irgendwie ist mir heute in der Früh auf diese Gedanken die Maus Frederick von Leo Lionni eingefallen. Was ist, wenn Frederick stirbt? Müssen dann die vier kleinen Mäuse frieren und darben, weil es keinen mehr gibt, der ihnen Sommersonnenbilder zeichnet? Wäre es nicht überhaupt schöner, wenn Frederick den kleinen Mäusen geholfen hätte und alle die Zeit, die dadurch übrig geblieben wäre, gemeinsam auf das Sammeln von Sonnenstrahlen, Farben und Wörtern verwendet hätten? Da wären die kleinen Körper ein wenig weniger ausgemergelt worden und sie hätten sich in der Winterhöhle gegenseitig von den schönen Dingen da draußen erzählen können. Auch wenn der eine vielleicht nicht so schön, lebendig erzählt hätte wie der andere - aber es wären alle gleich reich gewesen.

Nur ein Gedanke - und einer, der wieder mit Sicherheit schon viele tausend Mal gedacht worden ist.


 

 

 


 

 Das Seelenlandschaftspuzzle.

Irgendwann bin ich auseinandergeflogen. Jetzt bin ich dabei, die einzelnen Stücke wieder zusammenzufügen. Ich freue mich über kleine Inseln die sich bilden, wo man schon etwas - zumindest vage - erkennen kann. Ab und zu unterliege ich einer Täuschung. Glaube, das Teil passt ... es gehört jedoch in eine andere Ecke.

So baue und baue ich an meinem Bild, um endlich zu sehen, zu erkennen, wer oder was ich bin. Um eins zu sein. Wenn es nicht in diesem Leben gelingt, dann im nächsten oder übernächsten oder ...


Ich glaube an die Kraft von Worten und Bildern. Und ich glaube an Multiplikation. Wir wissen, wie schnell sich ein Gerücht verbreitet. Wie sich Stimmungen erzeugen lassen. Es ist keine Option, blind gegenüber den Vorgängen in unserer Welt zu sein. Aber wir sollten hinterfragen, was uns präsentiert wird und wir sollten darauf achten, was wir von uns geben. Stimmen wir in einen Chor ein, oder versuchen wir unser eigenes Lied zu finden? Welche Botschaft tragen wir weiter? Um unser Kinder willen, kann es wohl nur die der Liebe sein.


Mechanismen überdenken.


Wenn ich mit meinen Gedanken im Kreis gehe, wird der Pfad, den ich damit schaffe, immer tiefer und das Hinaustreten schwerer.


Zart und kraftvoll

widersprechen einander nicht.


 

 

So kitschig es auch sein mag.

Der neue Tag liegt vor mir.  

Der Himmel ... ein unbeschriebenes Blatt.

Die Rosenknospe ... ein Versprechen.

Der Morgen hat wieder diese Reinheit.

Unschuldig wie neugeboren.

Was werde ich daraus machen?

Werde ich es anders, besser, machen als gestern?

Was ist besser?

"Und täglich grüßt das Murmeltier" -

ein wirklich, wirklich guter Film.