Die Vorstellung, dass der Himmel über der dichten Wolkendecke immer blau ist, gibt so manch getrübtem Tag einen Hauch von Zuversicht.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... Struktur und Weite ...


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... sein eigener Mentor sein ...


 

 

 

 

 

Gestern war Walpurgisnacht. Gedanken an innewohnende Magie. Ist sie die eigentlich vorantreibende Kraft? In allzu flüchtigen Augenblicken zeigt sie sich spürbar, aber ist sie nicht stets vorhanden? Hält aufrecht, wo man meint zu brechen? Er ist schön der Gedanke, über ein Auffangnetz zu verfügen. In kleiner Anlehnung an die geliebten "Stufen" von Hermann Hesse ... "Und jeder Zelle wohnt ein Zauber inne. Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben".


An manchen Tagen geht manches nicht. Ich weiß, dieses und jenes stünde an. Eine Liste mit zu Erledigendem. Aber chancenlos. An manchen Tagen geht davon nichts. Ich schaffe und tue - nur nicht das, was auf meiner Liste steht. Der Wulst, der mir im Genick sitzt, lässt mich unrund laufen. Ich sollte mich jetzt schon besser kennen, Geduld mit mir haben und wissen, dass dann wieder Zeiten kommen, in denen ein Punkt nach dem anderen abgehakt werden kann. Wo alles plötzlich so einfach ist und sich wie von selbst erledigt. Aber diese Selbstverständlichkeit ist noch nicht als rundes Selbstverständnis verinnerlicht.



Die große, gegenstandslose Waffe ... das Wort.

Habe ich eine Lizenz zum Sprechen?


 

 

 

Eine

Vision

von

sich

suchen ..


An die 30 Tauben über meinem Kopf in Form eines riesigen Vogels mit weiten Schwingen. Es kommt die Verknüpfung zu "Swimmy" von Leo Lionni. Viele kleine Fische schließen sich zusammen und zeigen damit nach außen hin das Bild von einem großen Fisch und wehren sich so vor dem Gefressenwerden. Das erinnert mich wiederum an die Möglichkeit des "kleinen Mannes" ...


Dann in frühen Morgenstunden

schält ich aus dem rottenden Blättermantel

ein zartes Samenkorn

und wächst zum Baum,

dessen Früchte sich in buntem Klingeln zeigen.

Kein einziger Ton geht verloren.



Ich stehe zwischen dem alten und dem neuen Jahr.

Dir, Du Weichendes,

reiche ich meine Linke zum Abschied,

führe Dich an mein Herz.

Ich danke Dir.

Dir, Du Kommendes,

reiche ich meine Rechte,

küsse zärtlich Deine Hand,

die ich dann an meine Wange, meine Stirn lege.

Ich begrüße Dich.


... auch Tränen nähren meinen Herzgarten ...


Auch mitten im 6. Jahrzehnt gibt es noch so Tage, an denen ich das Lebensruder an eine längst vergangen geglaubte Zeit abgebe. Zuerst dachte ich, es sei das Kind in mir, das hervorbricht. Aber inzwischen sehe ich die Pubertierende. Denn das Kind ist. Der junge Erwachsene hingegen stellt sich in Frage, beginnt zu suchen, bewusst und unbewusst. Entwickelt Reflexion. Fühlt sich zwischen den Welten. Verliert sich. Und genauso empfinde ich auch heute an manchen Tagen. Ich verliere mich. Aus der standhaften Frau wird ein torkelndes Geschöpf, das hilflos mit den Armen rudert, Angst hat, unterzugehen und durch die Strampelbewegungen nur noch weiter in den Sumpf gezogen wird.

Derweil kann ich mit diesen Zeiten recht gut umgehen, denn ich weiß, dass es mir (nach Minuten, Stunden, Tagen) gelingt, mich aus diesem Strudel wieder emporzuarbeiten. Aufzutauchen aus der Düsternis, der scheinbaren Ungerechtigkeiten, des Selbstmitleids. Beiseitezutreten, mich als zwei Wesen, die doch eines sind, wahrzunehmen. Dann kann die Fünfundfünfzigjährige die Fünfzehnjährige an der Hand und in den Arm nehmen und ihr wieder den warmen Ort im Herzen zuweisen. Die Alte weiß um und schätzt die Wichtigkeit dieses Teils in ihr. Diesen, der infragestellt und so auch bestenfalls ein Lernen ermöglicht.


 

 

 

 

Zeichenlektion

 

Blume für Blume,

Zierwerk für Zierwerk ...

Bemühen um gleiches Maß.

Die Erkenntnis ...

erst aus der Unregelmäßigkeit

entsteht Lebendigkeit.


Ich sitze auf meinem "Posten" am Balkon, trete in die Pedalen und oft bleibt mir der Mund vor Staunen offen. Da ziehen jeden Morgen Hunderte von Krähen über unser Haus. Sie kommen von ihren Schlafquartieren und fliegen in ihre Tagesstätte. Manche von ihnen lassen sich für eine Rast im Baum gegenüber nieder. Eine Unterhaltung folgt. Ja, sie kommunizieren miteinander - manchmal spielen sie auch. Jetzt kann ich den großen Horst wieder erblicken. Im Frühjahr war es für kurze Zeit möglich, junge Krähen zu sehen. Doch bald schon verdeckte üppiges Grün das Kinderzimmer. Abends wird der große Schwarm für die Nachtruhe wieder zurückkehren. Ihren Flug empfinde ich elegant. Sie segeln, lassen sich mit Nonchalance vom Wind tragen, um gleich darauf mit kraftvollen Flügelschlägen das Weite zu suchen. Im 4. Stock kann man fast zum Ornithologen werden ... vielleicht ist es aber ja auch so, dass die Vögel in der Ulme mein eigenartiges Morgenverhalten studieren. Aber nein, sie sind zum Glück mit Besserem beschäftigt!



Heute scheint die Sonne und somit ist das Leuchten des herbstlichen Laubes kein Wundernis. Als ich aber am gestrigen frühen Morgen vor die Tür trat, war der Himmel dicht mit dunklen Wolken verhangen. So kraftvoll wie in diesem Augenblick habe ich die gelben & roten Blätter noch nie wahrgenommen. Die geliebte, durch diesen Zauber noch geschönte, gegenüberliegende Hügelkette zeigt sich in neuem Bild. Es war mir so, als wären tausende Lichter angegangen ... uns zum Trost - den Übergang in die dunkle, mit ihren eigenen Qualitäten ausgezeichnete, Jahreszeit erleichternd ...


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich zeichne kindlich und einfach. Aber ich zeichne gerne. Besonders schwierig für mich ist es, Gesichter zu zeichnen. Bis jetzt hatten sie immer geschlossene Augen, der Einfachheit halber und weil ich es anmutig finde. Jetzt habe ich eines mit geöffneten Augen gezeichnet. Es gefiel mir nicht und dennoch habe ich es so belassen. Es ist nicht mehr unschuldig. Sobald man die Augen öffnet und bewusst schaut, ist man verantwortlich.


Wenn ich auf meinem Fahrrad, das keines ist, über die Brücke, die es in Wirklichkeit nicht gibt, der gegenüberliegenden Bergkette, die ein jahreszeitlich bedingtes Zierat säumt, entgegenradle, fliegen zeitweise Krähen vorbei, die mich an die Grausedruden aus der Astrid-Lindgren-Geschichte "Ronja" erinnern. Wobei ich anmerken muss, dass ich Krähen sehr schätze. Aber, wenn sie so im Flug ihr Köpfe schräg halten und mich anschauen, erinnern sie mich an die Wesen aus besagter Geschichte.