Schulbeginn in der neuen Heimat ...

Gedanken an die eigene Schulzeit kommen. Ich war nie eine gute Schülerin - immer Mittelmaß: "befriedigend" war meine Note in den Hauptgegenständen. In "Betragen" habe ich es immer auf "sehr gut" gebracht. Brav war ich. Klein und brav. Es war mein Lebensauftrag, brav zu sein. Keinen Widerstand zu leisten. Zu tun, was man mir auftrug. Nicht aufzufallen. Und so war meine Note in den Hauptgegenständen ein "befriedigend". Ich hadere nicht - in keiner Weise. Ich wurde zu dem, was ich heute bin - und ich mag mich. Auf das "wieder in die Schule gehen" nach den Sommerferien habe ich mich schon irgendwie gefreut. Wesentlich dazu beigetragen hat der Geruch meiner Schultasche. Die frisch gespitzten Stifte, die Ledertasche, das Pennal. Und da waren noch die unberührten Hefte. Das erste Mal hineinschreiben ... mit der Hoffnung, dass die krakelige Schrift sich über die Ferien ein wenig verändert haben möchte, um dann festzustellen, dass sie noch dieselbe war und sich umgehend Enttäuschung darüber breitmachte.

Das würde ich gerne noch einmal: in der Schulklasse sitzen, das Heft aufschlagen, hineinschreiben, -zeichnen ... und ein "wie schön!" laut aussprechen.


Ich bin Hometrainerfahrer ...

Fast erscheint es mir wie ein Geständnis. Aber was soll's - ich steh' dazu. Das gute alte, geliebte Gerät steht am Balkon und ich bin bemüht, einmal am Tag meine Radltour zu machen. Am liebsten morgens. Anfänglich quietscht es (er & ich) und es geht zäh. Dann kommen wir in die Gänge. Am schönsten wird es - und dabei verfliegt die Zeit im Nu - wenn es mir gelingt, die Gedanken komme und gehen zu lassen, das Auge rundum wandern zu lassen und dabei auch einmal ins Narrenkastl zu schauen. Dann komme ich völlig ausgeruht - ruhend am Ziel an. Und selbst, wenn mir diese Versenkung nicht gelingt, so habe ich zumindest etwas für meinen Festkörper getan.


Waschtag

1965 zogen meine Eltern und ich in ein neues Mehrparteienhaus in Kapfenberg. Die Wohnung erschien uns märchenhaft im Gegensatz zu der verlassenen. Es gab nun Küche, Bad und Toilette. Geflieste Wände, leicht aufwaschbare Böden. Eine Zentralheizung. Und ich hatte ein eigenes Zimmer. Auch wenn nach meinem heutigen Empfinden, Wohnqualität nicht allein von den obigen Kriterien abhängt, so war es doch damals Luxus für uns. Eine eigene Waschmaschine hatte meine Mutter trotzdem nicht. Es gab eine Waschküche für die sechs Parteien im Haus - ausgestattet mit einem von unten zu befeuernden großen Metallkessel zum Kochen und Waschen der Wäsche, wie auch ein großes Schwemmbecken aus Beton. Und ein Holztisch stand auch noch darin. Meine Mutter hat den im Keller gelegenen Waschraum nie benützt. Sie arbeitete im Badezimmer. Mit Wanne & Waschglocke. Später dann hatte sie eine elektrische Schleuder. Zum Trocknen wurde die Wäsche am Dachboden aufgehängt.

2013 ... Wäsche waschen im Mehrparteienhaus in der großen Stadt. Es gibt sie noch immer - die Waschküche. Eine für zwei Hauseingänge. Als ich sie zum ersten Mal betrete, kommt die Erinnerung an die in der Kindheit hoch. Jetzt schaut sie natürlich anders aus. Ausgestattet ist sie mit einer Münzwaschmaschine von hoher Qualität, ebenso mit einem Münztrockner. Nur der Holztisch erinnert noch an die alte Zeit. Und in einer Nische steht auch noch eine Wäscheschleuder. Es gibt einen Kalender in den man sich einträgt. Alle Kalendertage sind besetzt. Ich entdecke den Namen einer lieben Frau, die unter uns wohnt. Sie ist 82 Jahre alt und hat am selben Tag Geburtstag wie ich. Wir bitten sie um die Mitwaschgelegenheit an ihrem Waschtag. Jeden zweiten Donnerstag. Diesen Wochenwaschtag hat sie schon seit Jahrzehnten. Und zu unserer Freude ist sie einverstanden. Wir sind von 6 - 10 dran - dann macht sie ihre Wäsche. Den Trockner brauchen wir nicht.

Ich bin begeistert von dieser Gemeinschaftseinrichtung. Zudem, dass man Platz, Kosten und Sorgen spart, kommt es zur Kommunikation. Auch wenn wir es viel leichter haben als sie - diese Tage verbinden mich mit damals - mit meiner Mutter.


Früher Sonntag ... Loggia ...

Gedanken kommen und ziehen vorbei, wie eben die Daune. Still ist es. Relativ. Und da höre ich kurz einen Mann, unten vorbeigehend, ein Lied anstimmen. Wie gerne mag ich das. Und so selten ist es. Letztens in der U-Bahn - eine junge fremdländische Frau steigt zu. Sie beginnt zu singen - noch steht sie in der Mitte der Plattform, gleich wird sie losgehen wollen, einen Becher in der Hand Geld erbittend. Sie singt schön und gerne würde ich mehr hören. Da steht unglücklicherweise ein Mann neben ihr und zieht einen Ausweis. Die Blicke der beiden treffen sich. Keine Konversation. Seine Augen sagen - freundlich, aber bestimmt - "das geht nicht", die ihren - "ist schon gut ... ich verstehe" und an der nächsten Station steigt sie aus. Und jetzt höre ich die Krähe auf dem Dach des Nebenwohnblocks. Es ist viel milder als angekündigt und doch klingt der Ruf des Vogels heute Morgen anders als gestern. Herbstgesang.


Selten gibt es die Gelegenheit, fremden Menschen gegenüberzusitzen, -zustehen. Das Fahren mit der U-Bahn bietet mir in letzter Zeit öfter Möglichkeit dazu. Die allermeisten Mitreisenden sind gänzlich in sich versunken. Halten die Augen geschlossen, sind in ein Buch vertieft, mit dem Handy beschäftigt, oder schauen gedankenverloren aus dem Fenster. Einige Kommunizierende gibt es. Ich schaue gerne. Betrachte die Gesichter. Zu jedem gehört eine Geschichte. Eine individuelle, zu respektierende.


Ich bin begeistert vom Flug der Tauben Jeden Morgen kann ich, der schönen, warmen, sommerlichen Tage wegen den Kaffee am Balkon trinkend, dem bunten - besser weißem, über braunem bis grauschwarzem - Treiben dieser Vögel zusehen. Und wenn ich jetzt die negativen Gedanken über dieses Getier wegschalte, bleibt Bewunderung. Bewunderung für die Schönheit des gemeinsamen Fluges. Manchmal sind es mit Sicherheit an die 20 bis 30 Tiere - ab und zu sogar viele, viele mehr -, die da zusammen unterwegs sind. Es lässt sich nicht erahnen, wie und warum der Schwarm sich in der Luft dreht und wendet. Ab und zu bricht ein Vogel auf der Seite scheinbar aus, doch dann - wie im Nu - folgen ihm die anderen. Synchronizität par excellence. Individualität & doch Eins.


... die junge Wilde Alte trägt die Ahnung in sich - die Wilde Alte ist ...


Ich habe heute wieder einmal herzlich über mich lachen können. Bei uns ist es schon ziemlich kalt und da habe ich mich am Morgen schön warm angezogen, um in die Bibliothek zu gehen. Nach vier Stunden Dienst komme ich heim - ziehe meinen Anorak, meine Schuhe aus. Heize ein, füttere die Katze, tue dies und jenes, mache mir das Mittagessen warm und esse genussvoll. Anschließend lege ich mich dann zum Mittagsschläfchen auf das Sofa. Da juckt es mich am Kopf und ich will mich kratzen und merke dabei, dass ich vergessen habe, die Wollmütze runterzunehmen.


... die Melodie in sich hören und ihr Raum geben ...